Dr. Monique Stengel, BR Wir in Bayern, 16.07.18

Sommer-Haarpflege

Welche besonderen Herausforderungen für Haare bringt der Hochsommer mit sich?

Sonne, Salz- bzw. Chlorwasser und Schwitzen trocknen Haare und Kopfhaut aus. UV-Strahlen der Sonne können Sonnenbrand auf der Kopfhaut verursachen und die Farbpigmente im Haar bleichen.

Welchen Einfluss hat das auf das Haar? 

UV- Strahlen greifen die Eiweißstruktur des Haares an, was zu einer porösen Oberfläche führt. Poröses Haar verliert mehr Feuchtigkeit, trocknet schneller aus und wird insgesamt brüchiger. Melanin-Pigmente im Haar wirken als natürlicher UV-Filter und nehmen UV-Strahlen auf, werden dabei abgebaut und das Haar wird heller. Vor allem die Kombination von UV-Strahlen mit Salzen aus z.B. Meerwasser und Sauerstoff bleicht die Haare aus.

Was braucht das Haar, um keinen durch Sonne, Salzwasser & Co. bedingten Schaden davon zu tragen?

Gesundes Haar ist strapazierfähiger und Salz- und Chlorwasser sowie UV-Strahlung können ihm weniger zusetzen. Das Haar mit milden und leicht sauren Shampoos waschen (leicht sauer damit sich die Schuppenschicht wieder schließt) und grundsätzlich mit viel Feuchtigkeit versorgen z.B. durch Inhaltsstoffe wie Urea (Harnstoff), Milchsäure und Gylcerin. Weitere gut pflegende Inhaltsstoffe sind meiner Erfahrung nach z.B. Shea-Butter, der Radikalfänger Vitamin E, Mandel- und Avocadoöl, Panthenol oder Aloe vera. UV-Schutz Sprays verwenden, da UV-Strahlung die Eiweißstruktur des Haars angreift und es bruchanfälliger macht. Vor dem Baden im Pool die Haare am besten in Leitungswasser tränken, damit es weniger Chlor aufnimmt. Chlor strapaziert die Haare und wirkt austrocknend.

Wie sieht entsprechend die richtige Pflege aus?

Grundsätzlich die Haare nicht zu heiß waschen und nur einmal shampoonieren, ein kurzes kaltes Abbrausen am Ende der Haarwäsche schließt die Schuppenschicht und fördert die Durchblutung der Kopfhaut. Auf keinen Fall täglich die Haare waschen und im Sommer wann immer möglich die Haare an der Luft trocknen lassen statt trocken zu föhnen. Auf Glätteisen oder Lockenwickler lieber verzichten. Regelmäßig die Kopfhaut massieren, das fördert die Durchblutung und damit das Haarwachstum. Einmal pro Woche die Haare mit einer Kur pflegen. Ein gutes Hausmittel vor allem für trockenes Sommerhaar ist meiner Meinung nach Mandel- oder Arganöl: ins Haar bis in die Spitzen einmassieren (Kopfhaut aussparen) und für ca. eine Stunde einwirken lassen, anschließend mit einem milden Shampoo auswaschen. Strengen Dutt vermeiden, da der starke Zug an den Haarwurzeln Haarausfall begünstigen kann. Lieber die Haare offen tragen oder locker zusammenbinden und möglichst keine Metallschließen verwenden, sondern weiche Haargummis, damit die Haare nicht brechen. Metallschließen können sich in der Sonne stark aufheizen und das Haar schädigen. Gesund und ausgewogen ernähren plus reichlich Flüssigkeit trinken, um das Haar auch von innen optimal mit Nährstoffen und Feuchtigkeit zu versorgen.

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Das Thema „Sommer-Haarpflege“ in der BR-Sendung „Wir in Bayern“ vom 16.07.18

Was sollte wiederum nicht in Haarpflegeprodukten enthalten sein?

Vor allem Silikone würde ich vermeiden. Sie erzeugen zwar kurzfristig Glanz, bessere Kämmbarkeit und umschließen Spliss und andere Haarschäden. Langfristig können unter der Silikonschicht die Haare allerdings unbemerkt austrocknen, was Spliss und Haarbruch verstärkt. Viele Silikone sind auf den ersten Blick nicht unbedingt als solche erkennbar. Auf Websites wie Codecheck kann man sich leicht einen Überblick über Inhaltsstoffe der verwendeten Kosmetik verschaffen. Außerdem möglichst auf Alkohole und Sulfate verzichten, die die Haare austrocknen.

Warum werden blonde Haare im Sommer heller und im Winter wieder dunkler?

Melanin-Pigmente im Haar werden durch UV-Strahlen abgebaut und das Haar wird dadurch heller. Durch das Nachwachsen dunklerer Haare mit höherem Melanin-Gehalt werden die Haare im Winter wieder dunkler.

Sollte man auch bei der Wahl der Bürste etwas beachten?

Ja, gut sind solche mit Naturborsten, sie geben dem Haar einen schönen Glanz, helfen das kopfhauteigene Fett im Haar zu verteilen, das als natürliche Schutzschicht dient, fördern die Durchblutung durch Massage der Kopfhaut und verursachen keinen Haarbruch. Für normales Haar z.B. aus Wildschweinborsten, für sehr feines oder Babyhaar z.B. aus Ross – oder Ziegenhaar.

Was hältst du von „Sonnenschutzsprays für Haare“?

Das ist eine gute Sache. Sie umhüllen die Haare mit einem Schutzfilm, der das Eindringen der UV-Strahlung reduziert. Darauf achten, dass sowohl UV-A als auch UV-B Filter enthalten sind. Möglichst alle zwei bis drei Stunden und insbesondere nach dem Schwimmen auffrischen. Optimalen Schutz bietet aber auch ein Hut aus dicht geflochtenem Stroh und mit möglichst breiter Krempe, damit Gesicht und Nacken ebenfalls gut geschützt sind.

Reicht Haare waschen mit Shampoo oder empfiehlst du Haarspülung?

Ein Shampoo allein reicht bei trockenem strapaziertem Haar oft nicht aus. Eine Spülung oder Haarkur nach dem Waschen versorgt die Haare wieder mit Feuchtigkeit und macht es leichter kämmbar.

Dr. Monique Stengel, BR Wir in Bayern, 16.07.18